Proteine – Fakten und Mythen

Auf der Webseite der Apotheken-Rundschau gab es im Februar 2012 einen Artikel über die Eiweiss-Mythen. Wir prüfen, was an diesem Artikel Fakt ist und was mehr oder weniger falsch dargestellt wird.

a) Kann man von zu viel Fisch/Austern/Krustentieren einen Eiweiß-Schock bekommen?

Die dort gemachte Aussage ist richtig, da es einen sogenannten Eiweiß-Schock nicht gibt. Abgesehen davon sind insbesondere „Meeresfrüchte“ sehr reich an Purine und es entsteht dabei sehr viel Harnsäure. Da wir kein Enzym haben, die Harnsäure abzubauen, ist der Körper gezwungen, die Harnsäure zu neutralisieren. Diese „Zwischenlagerung“ belastet unseren Organismus ziemlich. Wer bereits Gicht hat, kann davon ein Lied singen, denn gerade solche tierischen Produkte verstärken oft die Symptome von Gicht.

b) Schadet zu viel Eiweiß den Nieren?

Ja, definitiv. Es wird immer behauptet, einem gesunden Menschen macht es nichts aus. Das ist schlicht gesagt Humbug. Wir können am Tag über die Niere, den Darm, den Speichel und den Schweiß rund 1.000 mg (also 1 Gramm) Harnsäure ausscheiden. Nehmen wir mehr Harnsäure auf, dann wird die Niere überlastet und der Körper muss versuchen, das Zuviel irgendwie zu kompensieren. Unser Blut transportiert diese Harnsäure und da der pH-Wert vom Blut nur sehr gering schwanken darf, muss diese Säure umgehend gepuffert werden. Die von der DGE empfohlene Menge an täglichem Protein ist viel zu hoch, die der WHO entspricht viel eher dem Bedarf, ist aber auch noch etwas zu hoch. Man darf nicht vergessen, dass wir durch den eigenen Stoffwechsel, also den Abbau toter Zellen bereits rund 600-700 mg Harnsäure produzieren und wir daher über die Nahrung max. 500 mg aufnehmen sollten. Ein Steak von 200 g verursacht bereits eine Belastung von 300 mg Harnsäure, Muschelfleisch enthält doppelt so viel Purine, so dass 100 g Muscheln bereits 370 mg Harnsäure verursachen. Wie im Artikel richtig erkannt, raubt Protein dem Körper Calcium.

c) Braucht man Eiweiß-Shakes für den Muskelaufbau?

Die Aussage ist nicht ganz richtig. Da die meisten Menschen in den Industrienationen viel zu viel Protein zu sich nehmen, brauchen diese bei einem Muskelaufbautraining kein zusätzliches Protein. Wer sich vegan und zum großen Teil von Rohkost ernährt und dadurch weniger Protein zu sich nimmt, sollte bei einem Krafttraining darüber nachdenken, in geringer Menge zusätzliches Protein über vegane Shakes zu sich zu nehmen. Nicht das wir uns missverstehen. Ein Veganer nimmt zwar weniger Protein auf aber immer noch mehr als ausreichend. Sofern er sich „vernünftig“ ernährt. Proteine sind Baustoffe der Zellen. Wenn Du möchtest, dass deine Muskeln wachsen, brauchen sie dafür Baustoffe und natürlich den Anreiz zu wachsen.

d) Führt zu viel Eiweiß zu Übersäuerung?

Die Schlussfolgerung in diesem Artikel ist falsch. Ärzte und Ernährungswissenschaftler behaupten immer wieder gern, dass unser Blut nicht übersäuern kann, da unser Körper Puffersysteme besitzt. Das ist richtig und völlig falsch. Natürlich ist der Körper gezwungen, das Blut auf einen konstanten pH-Wert zu halten, sonst würden wir ziemlich schnell Probleme bekommen. Es ist also richtig, dass unser Blut nicht wirklich übersäuern kann. Aber es ist mehr als logisch, dass die Harnsäure, denn darum geht es, irgendwo bleiben muss. Wie oben erwähnt, können wir nur sehr wenig Harnsäure ausscheiden und wir können Harnsäure nicht abbauen. Ein Mensch, der sich „normal“ ernährt, also Milch, Eier, Fleisch, Fisch und alles was es im Supermarkt sonst noch gibt, isst, der verursacht durch die Ernährung zwischen 1.500 und 2.500 mg Harnsäure. Zusätzlich sorgen falsches Atmen, schlechte Luft und kohlensäurehaltige Getränke dafür, dass neben der Harnsäure zusätzliche Säuren im Körper angesammelt werden. Der einfachste Weg für unseren Körper besteht darin, die Harnsäure im Gewebe zu lagern. Das geschieht in Form kleiner Kristalle. Je mehr dieser Ablagerungen sich ansammeln, umso größer wird die Gefahr einer akuten Erkrankung. Im Zuge der Aufspaltung von Purinen entsteht nicht nur Harnsäure sondern auch Ammoniak. Auch dieser Stoff muss entsorgt werden. Es kostet unserem Körper sehr viel Energie und wertvolle Mineralstoffe wie Calcium, um die durch falsche Nahrung verursachte Übersäuerung auszugleichen. Zu viel Protein übersäuert den Körper und zwingt ihn gleichzeitig dazu, diese Übersäuerung zu beseitigen mit negativen Folgen für unsere Gesundheit.

e) Hilft Eiweiß beim Abnehmen?

Die Antwort ist eigentlich „Jein“, also sowohl als auch. Die Aussage in der Apotheken-Rundschau bleibt leider sehr schwammig. Ein Problem ist der Begriff „satt machen“. Allgemein versteht man darunter einen vollen Magen und eine Mahlzeit, die möglichst lange braucht um zu verdauen. Das hat damit zu tun, dass man Hunger mit einem leeren Magen gleichsetzt. Wenn man es aus Sicht des Körpers sieht, ist die Sachlage ganz anders. Satt macht eine Nahrung, die mit wenig Energieaufwand bei der Verdauung möglichst hochwertige Energie und Bausteine liefert. Wenn unsere Zellen genügend Material haben, um „ihren Geschäften“ nachzugehen, dann sind sie „satt“ und brauchen erstmal keinen Nachschub. Wenn die Energiespeicher voll sind, müssen sie nicht sofort wieder aufgeladen werden, nur weil etwas entnommen wurde. Wenn also Proteine besonders lange sättigen, bedeutet das nur, unser Organismus hat ordentlich damit zu tun, die Proteine aufzuspalten und die einzelnen Aminosäuren aufzunehmen. Ein Steak ist relativ schnell gegessen und liegt dann lange im Magen und später zerkleinert im Darm. Wenn man den Ratschlägen der Umschau folgt, dann füllt man möglichst viel Volumen in den Magen, weil man dann länger einen vollen Magen hat und „satt“ ist. Ich halte das für ziemlichen Unsinn. So kann man nicht abnehmen. Die Autoren hätten lieber auf die Frage eingehen sollen. Die sogenannte Low-Carb-Diät führt durchaus dazu, dass man abnimmt. Den gesundheitlichen Aspekten beachten wir hier nicht. Das Prinzip ist einfach. Unser Körper braucht normalerweise Glucose, um die meisten Zellen mit Energie zu versorgen. Nur die Herzmuskel und einige wenige andere Muskeln nutzen teilweise Fettsäuren zur Energieerzeugung. Glucose bekommen wir über Kohlenhydrate. Wenn wir diese weglassen und statt dessen mehr Protein essen, dann passiert folgendes: Am ersten und zweiten Tag verbraucht unser Körper die gespeicherte Glucose. Parallel werden ein Teil der Aminosäuren zu Glucose abgebaut. Da dieser Vorgang nicht sehr effektiv ist und die Aminosäuren für wichtigere Aufgaben gebraucht werden, kurbelt der Organismus die Fettverbrennung an und stellt auf den sogenannten Keton-Stoffwechsel um. Fettsäuren liefern nur sehr wenig Glucose, da nur das an die Fettsäuren gebundene Glycerin dafür genutzt werden kann. Allerdings liefern Fettsäuren Ketonkörper, die von den meisten Zellen zur Energieversorgung genutzt werden können. Durch die fehlenden Kohlenhydrate ist die Ausschüttung von Insulin gering, so dass der Fettstoffwechsel leicht anfahren kann. Sobald die Umstellung erfolgt ist, wird hauptsächlich gespeichertes oder mit der Nahrung aufgenommenes Fett (und die in Spuren immer vorhandenen Kohlenhydrate) zur Energieversorgung genutzt und die Proteine kaum noch verbrannt, sondern als Baustein verwendet. Die Energiereserven in Form von Fettpolster verschwinden also durch solch eine Ernährungsumstellung. Allerdings wird der Überschuss an Aminosäuren, sofern diese nicht ausgeschiedenen werden können, nicht zur Energieversorgung benutzt, sondern in Fettsäuren umgewandelt und gespeichert. Man kann also durch zuviel Protein den Abnehmprozess stoppen oder umkehren.

Fazit: Man sollte alles hinterfragen und prüfen. Insbesondere im Ernährungsbereich gibt es sehr viele Behauptungen, die einfach nicht wahr sind.

 

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